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Pilotprojekt zum Einsatz von Artenspürhunden im landesweiten Wildtiermonitoring gestartet

Wie die Hundenase beim Aufspüren von Wildtieren helfen kann

18. Februar 2019

Von A wie Auerhuhn bis W wie Wolf? Für die Einschätzung des Erhaltungszustandes und des mit Wildtieren verknüpften Konfliktpotenzials werden regelmäßige und zuverlässig erhobene Informationen benötigt, auf deren Grundlage ein geeignetes Management umgesetzt werden kann. Viele Wildtierarten sind jedoch unzureichend oder unmöglich mit den gängigen Methoden zu erfassen und können daher in ihrer Verbreitung oder Häufigkeit schnell über- oder unterschätzt werden. Wie eine stetig wachsende Zahl von internationalen Publikationen zeigt, kann der Einsatz von professionell ausgebildeten Spürhunden einen entscheidenden Beitrag in der Wildtierforschung und dem Wildtiermonitoring leisten, wissenschaftlich belastbare Nachweise über Wildtiere zu liefern.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) hat neben weiteren Institutionen die Pionieraufgabe übernommen, die Methode „Artenspürhunde“ zu Forschungs- und Monitoringzwecken zu etablieren. In einem Pilotprojekt werden die Möglichkeiten und die Anwendbarkeit der Methode zum direkten und indirekten Artnachweis innerhalb des Wildtiermonitorings geprüft. Spürhunde sollen beispielsweise eingesetzt werden, um die Suche nach Losung, Federn, Sandbädern und Balzplätzen für den Nachweis von Auerhühnern zu maximieren. Außerdem sollen an der FVA auch für das Monitoring von Luchs und Wolf trainierte Hunde für den indirekten Artnachweis durch Losungs- und Haarfunde eingesetzt werden. Diese Arbeitsweise ist ein weiterer Vorteil der Methode, da kein Sichtkontakt oder direktes Aufspüren der Tiere notwendig ist.  Zusätzlich werden aufgespürte Proben je nach Fragestellung auch genetisch analysiert. Aber manchmal ist auch der direkte Artnachweis notwendig: In dem Forschungsprojekt, das den Einfluss von Windrädern auf Auerhühner untersucht, wird der Fortpflanzungserfolg der Auerhühner im schwedischen Projektgebiet durch die Suche mit Vorstehhunden erbracht. „Nur mithilfe der gezielt trainierten Hunde können wir die Anzahl der Küken und die Brutgrößen pro Jahr bestimmen. Auf deren Basis können langfristig Populationstrends erfasst werden“, sagt Projektleiterin Julia Taubmann.

Der Fokus im Pilotprojekt mit Artenspürhunden wird vor allem auf die Erarbeitung der erforderlichen Rahmenbedingungen zur professionellen Anwendung der Methode gelegt.  Auch sollen durch unter realen Bedingungen durchgeführte Testläufe  die Fundraten eingeschätzt und somit die Ausbildung evaluiert werden. Nur so kann beurteilt werden, ob und wie effektiv die Methode im Wildtiermonitoring einsetzbar ist. „Für unsere wildtierökologischen Fragestellungen müssen wir hohe Ansprüche an die Ausbildung stellen und gewisse Standards erarbeiten. Und nicht alle Hunde beziehungsweise Hundeführerinnen und Hundeführer erfüllen die Anforderungen“, ergänzt Taubmann.

In einem weiteren Schritt wird die praktische Umsetzung innerhalb des Wildtiermonitorings in Baden-Württemberg anhand ausgewählter Wildtierarten überprüft. Die bis dahin gewonnenen Projektergebnisse sollen in einem abschließenden Workshop den am Monitoring beteiligten Personen vorgestellt, Vor- und Nachteile diskutiert und weitere potenzielle Ziele erarbeitet werden. Hierzu zählt beispielsweise die Aus- und Weiterbildung geeigneter Mensch-Hund-Teams mit klar definierten Schulungsinhalten.

Weitere Information: julia.taubmann@forst.bwl.de